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Abschied von Karin Lange

Traueransprache von Pastor Wolfgang Loos

Trauerfeier anlässlich des Todes von
Frau Karin Lange, geborene Meyer
am 07. Mai 2016 um 14 Uhr
in der Friedhofskapelle Güntersen
anschließende Urnenbeisetzung

-Es gilt das gesprochene Wort-
Der Friede Gottes sei jetzt mit euch allen. Amen.
Wir sind zusammen gekommen und müssen Abschied nehmen
von Frau Karin Lange, geborene Meyer.

Schrecken sitzt uns in den Knochen. Im Herzen. Der plötzliche Tod schmerzt.
Von jetzt auf nachher ist alles anders. Der Verlust ist bitter.

Sie, lieber Eckhard Cohrs, sehen das Himmelsbild,
als sie heute vor zwei Wochen ins Krankenhaus nach Northeim gerufen werden.
Sie sehen: eine schwere Wolkenwand muss dem Licht, der Sonne weichen.
Über Northeim, ihrem Geburtsort. Und sie ahnen, Karin geht. Sie stirbt.

Die Wärme der Sonne wird stärker als die Kälte des Todes.
Darum erzählen wir in diesem Abschied von ihrem Leben,
erzählen, wie sie den Raum mit Sonne geflutet hat.
Erzählen was uns aus ihrem Leben und über ihr Leben hinaus Hoffnung schenkt.
Und dann wird passieren, was über Karins Todesanzeige steht:
‚Das kostbarste Vermächtnis eines Menschen ist die Spur,
die seine Liebe in unseren Herzen zurückgelassen hat‘.

Dann wird das Dunkle weichen und der Schrecken muss schweigen.
Und wir bitten Gott, den Herrn, auf dieser Spur bleiben zu können.
Auf der Spur der Liebe, die stärker ist als der Tod.
In der Kraft dieser Liebe sind wir jetzt hier.
Im Namen des ewig Liebenden. Amen.
Gemeinsames Lied: Möge die Straße uns zusammenführen…

Psalmlesung – Psalm 139 i.A.
1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.
2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht schon wüsstest.
5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
8 Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
10 so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.
11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken
und Nacht statt Licht um mich sein -,
12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Gebet -frei-

Lieber Eckhard Cohrs mit der ganzen bunten Familie,
liebe Angehörigen, liebe große Trauergemeinde,

in den vergangenen Tagen haben sie in der Familie
eine wunderbare Anteilnahme erlebt. Und heute auch.
Viele sind gekommen zeigen hautnah ihre Verbundenheit.
In einem Beileidsbrief stand:
„dass mit dem Gott da oben kann nicht so ganz stimmen“.
Ja, das stimmt wenn wir denken und glauben,
da steuert jemand unser Geschick willkürlich.
Und dann ist mal eben mit 53 Schluss.

Der jüdische Psalm, den wir gerade gehört haben,
denkt und glaubt Gott anders. Ganz anders.
Er denkt: Du, Gott, du bist an meiner Seite.
Im Leben, im Glück, in meinem unverwechselbaren Leben.
Du, Gott, bleibst an meiner Seite,
im Schicksalsschlag, im Schrecken, im plötzlichen Tod.

Stellen wir uns doch vor,
der lebendige Gott sucht mit uns jetzt nach einem Trost.
Einen Trost, der über Grab und Urne hinausreicht.
Der mitleidende Gott sucht vor allem mit uns nach den Spuren der Liebe,
die Karin in ihrem eigenen Leben, in der Familie, im Beruf, im Ort
und bei Freundinnen und Freunden gelegt hat.

Ende Dezember 1962 wird Karin Meyer in Northeim geboren.
Was wird ihr in die Wiege gelegt?
Herzlichkeit wird ihr in die Wiege gelegt.
Sie, lieber Eckhard Cohrs, haben gesagt,
„Sie war die Herzlichkeit in Person“.
Was wir in Person sind, das ist uns geschenkt, eben in die Wiege gelegt.

Und Karin konnte einen Sinn für das entwickeln, was ihr gegeben war.
Trotz mancher Umzüge der Familie hat sie am Einbecker Gymnasium,
der Goetheschule, das Abitur gemacht.
Klug sein mit Herz, mit dieser Lebensart hat Karin viele junge Menschen
später begeistern und inspirieren können.
Klug sein mit Herz, das bedeutete für sie auch,
die Gemeinschaft des Abi-Jahrgangs mit zu pflegen.

Sie, liebe Frau Dagmar Erlemann, Sie müssen der Familie
aus den Kindheits- und Jugendzeiten erzählen.
Wie sie ihre Schwester erlebt haben.
Wie Karin ihre Herzlichkeit gepflegt und gehegt hat.
Das, was ihr in die Wiege gelegt war.
Sie allein wissen sicherlich aber auch die Geschichten,
in denen das schief gelaufen ist, die Herzlichkeit. Das gibt es auch.

Die Liebe zieht in Karin’s Leben ein.
Mit Arnold Lange kann sie sich damals ein gemeinsames Leben vorstellen.
Die beiden heiraten und geben ihrer Liebe einen starken Willen.
Nämlich den Willen, Ihnen, Rebecca, Christopher und Konstantin
das Leben zu geben.
Sie erinnern eine Mutter, die den Spagat zwischen Berufstätigkeit
und Familienführung wagt. Immer wieder wagt.
Mit Herzenskraft und starkem Willen.
Oft gelingt es. Manchmal ist es schwierig.

Ein nachhaltiger Vertrauensbruch ins Leben wird für Karin Lange,
als die Zwillinge, denen sie das Leben geben will, sterben.
Sie zweifelt, an Gott, an sich selbst, an der Welt. Ein Knackpunkt.

Liebe Trauergemeinde,
die ‚Herzlichkeit in Person‘ überwindet den Knackpunkt,
steht wieder auf und geht neu ins Leben.
Klug mit Herz, weiß Karin Lange,
ich muss in meinem Leben Abschiede und Aufbrüche wagen.

Sie, Eckhard Cohrs und Karin Lange, treffen sich
und kommen mit ihren Familien zusammen.
Jennifer und Benjamin kommen dazu.
Die Familie wächst, Emilie gehört seit 2010 als Enkeltochter dazu,
die Schwiegertöchter-und Söhne.
Als sie zwischendurch originell und unkonventionell bürgerlich heiraten,
behalten Sie beide ihre Namen.
In Verbundenheit mit ihren Kindern.
Und doch: Das Blatt wendet sich.
Karin Lange sagt nach fünfzehn Jahren ihres gemeinsames Lebens:
‚Im nächsten Leben treffen wir uns früher‘.
Und diese Übererzeugung teilen Sie beide hundertprozentig.

Hier in Güntersen erwerben sie gemeinsam das Haus.
An der Hauptstraße eine Hütte der Herzlichkeit, der Gastfreundsaft.
Für Karin ist dieses Haus der Herzlichkeit auch ein Refugium,
um Krimis zu schmökern, Literatur zu lesen
und mit der eigenen Hand Briefe zu schreiben.
Der Garten am Haus der Herzlichkeit spricht seine eigene Sprache,
wie vielfältig, bunt und verbunden Karin war.
Verbunden allem, was wächst und gedeiht.

Hier im Ort engagiert sich Karin Lange in den Vereinigten Sängerchören,
im Sportverein, besonders in der Bücherkiste
und dem innovativen Projekt ‚Dorf mit Zukunft‘.

Selbstverständlich ist sie mit Überzeugung dabei,
als viele in Günterser öffentlich bekennen: „Bunt statt braun“
und das Frühlingsfest 2015 organisieren und ein Fest für Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenwürde machen.

Wir werden nachher in den Nachrufen der Vereinsvorsitzenden
und der Kollegin hören, wie sie war,
welche Spuren sie in euren Herzen hinterlässt.
Es sind Worte wie Nahrung für die Seele.
Worte, die uns erleuchten und mit Staunen sagen lassen:
Ja, so war sie – für uns. Für mich.

Für die Kirchengemeinde sage ich,
wer weiß, warum sie auf den Wiedereintritt in die Kirche verzichtet hat,
nachdem vor langen Jahren ihr Vater Karin und die ganze Familie abgemeldet hat.
Ich habe Karin Lange bei einer für mich beeindruckenden Lesung
Ende Januar diesen Jahres in Barterode erlebt.
Ein kluger und beherzter Auftritt.
Wir haben zusammen gesprochen.
‚Mit der Kirche hab‘ ich’s nicht so‘ habe ich in Erinnerung‘.

Das ist das Eine.
Aber warum sollten wir einseitig denken?
Karin Lange hat uns doch die Buntheit lieben gelernt.
Das Andere bei ihr ist eine großartige Glaubensüberzeugung,
die sie vor einigen Wochen beim Tod ihres Stiefvaters allen mitgeteilt hat.

Zur Todesanzeige legte sie einen übersetzten Psalm.
Hanns Dieter Hüsch, der große protestantische Kabarettist hat ihn übersetzt.
Ich lese diese Worte als ihr persönliches Glaubensbekenntnis:

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit.
Mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen.
Mein Triumphieren und Verzagen.
Das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen.
Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen Was macht dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält Weil mich mein Gott das Lachen lehrt. Wohl über alle Welt“
Hanns Dieter Hüsch , Psalm 126
Was für eine Hoffnung. Im Leben. Über das Leben hinaus.
Wie singt Tim Fischer, ein moderner Sänger, in seinem Hoffnungslied:

Und ich werd' singen, Ich werd' lachen
Ich werd' "Das gibt's nicht!" schrei'n!
Denn ich werd' auf einmal kapier'n
Worum sich alles dreht!

Karin, angekommen in der neuen Welt. Amen.

Superintendent a.D.
Pastor Wolfgang Loos
07. Mai 2016

 

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