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Dr. Norbert Hasselmann: Rede z.Volkstrauertag 2016

Liebe Teilnehmer/innen an dieser Gedenkveranstaltung,

Wir wissen wohl, dass Kriege irgendwann zu Ende gehen, aber stets ungelöste Konflikte hinterlassen, welche zu neuen Kriegen eskalieren. Und jeder neue Krieg, egal ob in Syrien, Sudan, Eritrea, im Irak, in der Ukraine, kennt am Ende mehr Verlierer als Sieger, auf allen Konfliktseiten Tote, Verwundete, Verzweifelte, Entrechtete und gequälte Menschen.

Es steht zu hoffen, dass die Menschheit in ihrer Gesamtheit dies irgendwann, besser morgen, als übermorgen oder besser heute als morgen, begreift: Krieg ist nicht „die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“, wie der preußische Militärtheoretiker Generalmajor von Clausewitz in schönfärberischer Wortwahl weismachen wollte. Nein: Krieg ist der Offenbarungseid der Politik vor Konflikten, die zu lösen die Konfliktpartner nicht in der Lage sind. Die Gründe dafür sind vielfältig: Fehleinschätzung, Überheblichkeit, Angstbeißerei oder die Ablenkung von politischem Unvermögen. Niemals sind oder waren irgendwo positive Begleitumstände erkennbar, die zum Krieg führen. Die furchtbarste Ausrede von Staatenlenkern, die Kriege anzetteln, ist der Begriff der Alternativlosigkeit. Niemand von den Kriegsverursachern nimmt den Geschädigten, Verletzten, Verstümmelten und Traumatisierten ihre Ängste, ihre Schmerzen, ihre Verzweiflung ab. Nein, damit werden sie allein gelassen, wie die Kinder unter dem Schutt der zerbombten Häuserreste von Aleppo, wie die blutenden Menschen in den zerstörten Schulen und Krankenhäusern, wie die verzweifelten Weißhelme, die zu helfen und zu retten versuchen und selbst zu Opfern des Krieges werden, wie die am Grenzzaun abgewiesenen Flüchtlinge, die glauben, dem Schlimmsten entkommen zu sein und nun merken, dass sie in der Falle sitzen, wie die im Dschungel von Calais gestrandeten Afrikaner, die nun unabweislich merken, dass niemand auf der Welt auf sie wartet außer die Planierraupen, die sich ans Werk machen, die unmenschlichen Papp- und Plastik-Unterkünfte wegzuräumen um vermeintlich „für klare Verhältnisse“ zu sorgen.

Das Jahr 2016 war in vielerlei Hinsicht kein gutes Jahr für die Menschheit. Empfindsame Seelen könnten bei der Betrachtung der Gesamt-Weltlage von Krieg, Fluchtbewegungen, Klimaereignissen, Hungernöten und Terrorismus durchaus die Frage stellen, ob das alles so weiterhin aushaltbar, erlebbar, verkraftbar sein kann. Ich bitte Euch, bei alle Grausamkeit der herrschenden Verhältnisse, nicht zu vergessen, dass wir Menschen sind. Menschen mit einfühlsamen Seelen, mit dem Willen zur Hilfe, der Fähigkeit und den Herzen zur Nächstenliebe.

Das alles sind in uns wohnende Eigenschaften, die es uns ermöglichen, an Veränderungen zum Besseren hin zu glauben und daran mit zu wirken. Auch wenn derzeit scheinbar der Hass die Oberhand gewinnt, wenn es so aussieht, als dass man erfolgreich sein kann, wenn man Minderheiten zum Sündenbock stempelt, den Besitzlosen einen Fußtritt verpasst, mit Lügen, Spott und im Gefühl der Übermacht andere gern zu übertrumpfen versucht, so organisiert sich dennoch zunächst zaghaft, bald aber stark und stärker das Menschliche in uns. Dem Schwachen die Hand zu reichen, dem Hilfsbedürftigen eine Hilfe sein, die Freude am Teilen neu zu entdecken und die Abscheu vor Gewalt und Krieg in ein friedliches Miteinander zu umzuwandeln, kann das nicht ein Lebensziel sein, welches wie ein Staffelholz mit Freude und Stolz an zukünftige Generationen weitergereicht werden kann?

In Erinnerung an die vielen Opfer von Krieg und Gewalt, in Trauer um die Toten der Terroranschläge der vergangenen Monaten und in Erinnerung an die Opfer beider Weltkriege legen wir hier und heute diesen Kranz nieder.

Ich danke für Eure Teilnahme.

 

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