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Dr. Norbert Hasselmann: Rede zum Volkstrauertag

Liebe Teilnehmer/innen an dieser Gedenkveranstaltung,

zunächst wollte ich in meinem Redebeitrag Bezug nehmen auf die Tatsache, dass der 2.Weltkrieg nun ziemlich genau vor 70 Jahren und 6 Monaten am 8.Mai 1945 beendet wurde.

Ich wollte darauf hinweisen, dass damals eine feige Generalität um Keitel, Jodel, von Mahnstein, Rommel und viele andere Generäle nicht den Schneid hatten, bereits Anfang 1942 nach der Vernichtung der 6.Armee in Stalingrad zu erkennen, dass dieser Krieg aus deutscher Sicht nicht mehr zu gewinnen war.

Ca. 50 Millionen Weltkriegsopfer, davon zwei Drittel zivile Opfer, mussten ab 1942 bis zum Mai 45 noch sterben, weil dieser Abnutzungs- und Hinhalte-Krieg qualvoll weitergeführt wurde. Und das, weil eine verbrecherische Nazi-Clique sich des Staates in allen seine Facetten bemächtigt hatte und der Generalität und der Mehrheit des Offizierscorps der Mut fehlte, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Aber all diese Erkenntnisse und Wortbeiträge zu diesem Thema sind seit vorgestern Abend bereits wieder überladen. Die derzeitigen Diskussionen und Aktivitäten sind diktiert von den Anschlägen des IS in Paris.

Während des Fußball-Länderspiels Frankreich Deutschland waren wir life dabei, als das Geräusch detonierender Bomben anzeigte: hier passieren gerade schreckliche Dinge und das auch noch in direkter Hörweite zum Stadion. Als die Aufmerksamkeit sich vom Geschehen auf dem Rasen verlagerte auf die angstvollen Blicke der Zuschauer auf ihre smartphones, ahnte man bereits, dass es Neuigkeiten gibt. Und zwar keine guten….

Nachdem wir nun etwas mehr wissen, fragen wir uns: Welche Botschaft steckt hinter diesen Taten?

Der Krieg in Syrien und im Irak folgt uns in die Europäischen Metropolen. Und der IS hat darunter folgende Botschaft gemischt:

Erstens: egal, wie viele Flüchtlinge aus den vom IS bedrohten und bekämpften Ländern Ihr aufnehmt, wir können Euch jeder Zeit zeigen, dass Eure humane Einstellung sich jederzeit gegen Euch selbst richtet.

Zweitens: eine offene Gesellschaft ist nicht in der Lage, ihre Bürger/innen jederzeit und an jedem Ort zu schützen.

Drittens: gegen Selbstmordattentäter gibt es kein plausibles Abwehrkonzept.

Man kann zu diesen Punkten noch zahlreiche andere Fakten hinzuaddieren, das macht aber grausame Tatsache nur noch verzweifelter:

Fast 200 Tote durch Selbstmordattentate verblendeter vom IS hirngewaschener sogenannter Gotteskrieger, die alles andere als das Wort des Propheten umsetzen sondern die Perversion einer normalerweise toleranten Abrahamsreligion sein sollten.

Wir sollen Hass empfinden gegen die, die gerade vor dem terror des IS den Weg nach Europa als letzten Ausweg gesucht haben.

Wir sollen Ohnmacht empfinden gegenüber der Tatsache, dass Selbstmordkommandos jederzeit unsere Zivilgesellschaft an den Rand der Handlungsfähigkeit bringen können.


Aber:

Wir werden zu unseren französischen Freundinnen und Freunden halten wie auch damals nach dem furchtbaren Anschlag auf das Satire-Magazin „Charly Hebdo“.

Wir werden solidarisch sein und Solidarität leben, um dem Terror unsere Zuversicht, unsere Idee von Freiheit und von einem gelebten Miteinander der Kulturen nicht zerstören zu lassen.

Das muss unsere Antwort sein, damit treten wir am ehesten und wirksamsten dem perfiden Versuch entgegen, uns –Franzosen gegen Deutsche, Einheimische gegen Migranten, Ost gegen West oder wen auch immer gegen wen- gegeneinander auszuspielen.

So wie die französische Nationalmannschafft in der vorgestrigen Nacht unseren Jungs bis zum Morgengrauen in der Kabine Beistand und das Gefühl von Gemeinschaft leistete!

Wir wissen nun, dass Kriege irgendwann zu Ende gehen, aber stets neue Konflikte zu Kriegen eskalieren. Und jeder neue Krieg, egal ob in Syrien, Sudan, Eritrea, im Irak, in der Ukraine, kennt am Ende nur Verlierer, nur Tote, Verwundete, Verzweifelte, Entrechtete und gequälte Menschen.

Es steht zu hoffen, dass die Menschheit in ihrer Gesamtheit dies irgendwann, besser morgen, als übermorgen oder besser heute als morgen, begreift.

In Erinnerung an die vielen Opfer von Krieg und Gewalt, in der Hoffnung auf ein Ende des Tötens in Syrien und der Ukraine, in Trauer um die Toten der vorletzten Nacht in Paris

legen wir hier und heute diesen Kranz nieder.

Ich danke für Eure Teilnahme.

 

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