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Chronik

Die Entstehung des Dorfes Güntersen

Der Ursprung Güntersens liegt im Dunkeln, sicher aber ist unser Dorf über 1000 Jahre alt, es reicht bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Erst im Jahre 1059 wird Güntersen als Gunteresu in einer Kaiserurkunde genannt, und zwar zusammen mit Thunu (Thüdinghausen) und Bernessu (Behrensen). Damals erhielt der Erzbischof von Mainz den königlichen Zehnten von Kaiser Heinrich IV. geschenkt. In der Folgezeit wird Güntersen ein Dorf der Herzöge von Braunschweig.

Aber auch Edelherren und Klöster aus der Umgebung besitzen einzelne Höfe und Rechte im Dorfe. So werden genannt: die Grafen von Everstein, die Herren von Stockhausen, von Weyhe, von Hugo, von Rusteberg sowie die Klöster Lippoldsberg und Bursfelde, ein bunter Wechsel im Laufe der Jahrhunderte.

Im Jahre 1347 belehnt der Herzog von Braunschweig die Herren von Adelebsen mit dem Gericht „Zum Asche". Dazu gehören die Dörfer Barterode, Güntersen, Eberhausen, Behrensen und Thüdinghausen (Thühausen). Dieses Gericht bewahrt noch lange die Formen der alten germanischen Volksgerichtsbarkeit. Mindestens 4 mal im Jahre mussten sich die Günterser Bauern auf dem Thie (das war der Platz zwischen der alten Schule und dem Grundstück Breithaupt und Sprenger) versammeln, um dem Bauermeister eingetretene Rechtsbrüche bekanntzugeben. Am nächsten Tage hatten sie dann in Barterode zum öffentlichen Gerichtstage zu erscheinen, wo die aus ihrer Mitte gewählten Schöffen das Urteil fanden, das vom frei gewählten Gerichtsschultheißen verkündet wurde. Die Teilnahme am Gericht war viele Jahrhunderte hindurch die einzige Form der Mitbestimmung in den öffentlichen Angelegenheiten.

Den Herren von Adelebsen standen als Gerichtsherren und als Herren der Dörfer Abgaben in Geld und Naturalien, sowie die Leistung von Hand- und Spanndiensten zu. Die ihnen gehörenden großen Bauernhöfe in Güntersen, sie waren 3 Hufen oder rund 100 Morgen groß, verpachteten oder verlehnten sie, in der Hauptsache gegen die Lieferung von Roggen und Hafer. Die Lehnsleute mussten einen Treueid schwören und in Kriegen als Gefolgsleute des Barons mit in den Kampf ziehen. Alle dreihufigen Meier- und Lehnhöfe sowie mehrere einhufige Höfe lagen alle in der Bachstraße, die der Anfang des Dorfes war. Bachstraße 1, der Bemmelhof, war vermutlich der Sitz des Grundherren im Dorfe.


Im Namen Güntersen ist der Vorname des Dorfgründers und ersten Herren des Dorfes enthalten. Später hinzukommende Einwohner besaßen nur noch eine eigene Hausstelle im Dorfe und wenige Morgen Land, man nannte sie „Kötner" (Besitzer einer Kate oder Kote). Nach 1600 Hinzukommende hießen Brinksitzer, noch später Anbauer. Wer zur Miete wohnte, war ein Häusling. Die Häuser um Kirche herum waren alles Brinksitzer- oder Freienhäuser, ihre Besitzer waren fast frei von Diensten und Abgaben, hatten aber auch keine Anrechte an der Allmende.

In der Franzosenzeit 1806-13 gehörte Güntersen zum Königreich Westfalen mit der Hauptstadt Kassel, und auch die Verwaltung des Dorfes wurde ganz nach französischem Muster ausgerichtet. Der Bauermeister war jetzt ein „Maire", es war Christian Schäfer, sein Hof (Lebensmittel Dräger) war der Mairehof.

Die Franzosenkriege waren auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht ein großer Einschnitt: die Zeit des Adels und der Grundherrschaft auf den Dörfern hatte sich endgültig überlebt und erwies sich immer mehr als großes Hindernis für eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung. So wurden die adligen Gerichte aufgelöst und von den Amtsgerichten übernommen, und die uralten Abgaben und Dienste konnten mit Hilfe des Staates durch Geldzahlungen abgelöst werden.

Es begann die Zeit der Maschinen und Fabriken und des freien Handels und Wandels. Einer der in Güntersen die Zeichen der neuen Zeit erkannte und zu nutzen verstand, war der Bauermeister Ludwig Witthuhn, ein kleiner Kötner mit wenig Besitz. Er gründete eine Brennerei und arbeitete sich mit ihrer Hilfe im Laufe von 20 Jahren zum größten Grundbesitzer des Dorfes empor. Als er 1838 starb, hinterließ er einen Grundbesitz von über 360 Morgen, die zur Grundlage des Wernerschen Gutes und des Otterschen Hofes wurden. Die eisernen Grabkreuze von Ludwig Witthuhn und seinem Sohne Heinrich standen noch bis 1967 unter der Traueresche bei der Kirche.

Hauptlehrer Artur Allischewski (aus: Festschrift 40 Jahre SC-Güntersen, 1968)

 

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